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16.10.2017

28.09.2017

 12.09.2017

Heute waren wir bei der Job- Börse der integrierten Gesamtschule Koblenz und der Clemens-Brentano-/Overberg- Realschule plus dabei.

Es war ein erfolgreicher und informativer Nachmittag für die Kinder

Zähneknirschen: Ursache ist oft Stress

Aktuelles aus der Zahnarztpraxis Dr. Bergner Koblenz >>

Bruxismus Jeder Zweite ist ab und an betroffen – Druck kann bei 600 Kilogramm pro Quadratzentimeter liegen

Von Elena Zelle

Eigentlich sollten die Zähne nur beim Essen aufeinandertreffen. Eigentlich. Doch jeder Zweite knirscht laut Bundeszahnärztekammer (BZÄK) zumindest ab und an,  jeder Fünfte sogar regelmäßig mit den Zähnen. Manche pressen sie nur in der Nacht aufeinander, andere auch am Tag. Mediziner nennen das Bruxismus. Die  Belastung für das Gebiss ist dabei wesentlich höher als beim Kauen: „Der Druck kann bei bis zu 600 Kilogramm pro Quadratzentimeter und mehr liegen“, sagt Prof.  Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK. Das schadet – nicht immer nur den Zähnen.
Wer knirscht oder die Zähne aufeinanderpresst, schmirgelt Schneide- und Eckzähne ab und Kauflächen glatt. „Zahnhartsubstanz geht verloren, die Zähne verlieren ihre ursprüngliche Form“, warnt Oesterreich. Die Zähne reagieren dann zum Beispiel schmerzempfindlich auf Wärme oder Kälte. Stücke vom Zahn oder auch Kronen und Füllungen können herausbrechen, ganze Zähne reißen. „In der wissenschaftlichen Literatur wird auch diskutiert, ob durch das Knirschen und Pressen mikrokleine  Strukturen am Zahnhals abplatzen.“ Zu sehen sind dort dann kleine Einkerbungen, die allerdings auch von zu starkem Schrubben beim Zähneputzen stammen  könnten.

Mit zunehmendem Alter nimmt das Knirschen oft ab
Manchmal gibt sich das Knirschen oder Pressen von selbst. „Bei Kindern ist das oft nach wenigen Monaten beim Zahndurchbruch wieder vorbei“, sagt Oesterreich. Auch mit dem Alter nimmt Bruxismus ab. Knirscht jemand über einen längeren Zeitraum, bekommt er in der Regel eine Aufbissschiene aus Kunststoff für die Nacht. Die sogenannte Okklusionsschiene schützt die Zähne, indem sie den Druck, der beim Knirschen und Pressen entsteht, verteilt. Außerdem bewahrt sie die Zähne vor weiterer Abnutzung. Die Schiene wird an das eigene Gebiss angepasst. Trotzdem empfinden sie viele Patienten erst einmal als Fremdkörper, erklärt Dirk Kropp, Geschäftsführer
der Initiative proDente. Nach ein paar Tagen haben sich die meisten aber daran gewöhnt.
Für die Schiene bekommt man eine kleine Box wie für eine Zahnspange, darin kann man sie tagsüber aufbewahren. Gereinigt wird sie einfach mit Zahnbürste und Zahnpasta. Sie wird ja nur nachts getragen – und  normalerweise isst man zu dieser Zeit nichts mehr. Wer nachts knirscht, merkt das oft auch am nächsten Morgen: „Die Kaumuskulatur kann bei 20 bis 30 Prozent der Patienten schmerzen, der Kiefer fühlt sich an wie  eingerostet, und beim Öffnen knackt es etwas“, sagt Oesterreich. Der Schmerz kann auch in den Nacken ziehen, und manche bekommen Kopfschmerzen vor allem im Bereich der Schläfen, ergänzt Michael Preibsch,  stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Verbandes für Physiotherapie. Langfristig sind auch Schwindel und sogar Sehprobleme möglich. Manche Betroffene können ihren Mund kaum mehr öffnen, weil die  Kaumuskulatur so stark verspannt ist. In solchen Fällen sprechen Mediziner von craniomandibulärer Dysfunktion (CMD). Sie kann, muss aber nicht mit Bruxismus einhergehen, sagt Oesterreich.
Speziell geschulte Physiotherapeuten können helfen, die Beschwerden zu lindern. Abhängig von der genauen Diagnose wird die Kaumuskulatur massiert, gedehnt oder bewegt, erklärt Preibsch. Auch die Halswirbelsäule oder  der Übergang zwischen Brust und Halswirbelsäule kann durch das Knirschen in seiner Beweglichkeit eingeschränkt werden. Ein Physiotherapeut wird versuchen, diese Körperteile zu mobilisieren. Aber auch zu Hause können Knirscher etwas gegen den verspannten und schmerzenden Kiefer tun: beispielsweise den Schläfen- und Wangenbereich mit einem feuchten Waschlappen wärmen. „Dann kann man die Kaumuskulatur mit den Daumen mit tiefen, langsamen Bewegungen massieren“, empfiehlt Preibsch. Auch Gähnen hilft – das entspannt die Mundmuskulatur.

Autogenes Training hilft und gibt dem Stress ein Ventil
All das bekämpft jedoch letztlich nur das Symptom – nicht die Ursache. Und die heißt meistens: Stress. „Man beißt sich im wahrsten Sinne des Wortes durch und versucht, dem Stress ein Ventil zu geben“, erklärt Kropp. Um gegenzusteuern, sollten Knirscher versuchen herauszufinden, was genau sie stresst. Dann können sie nach gesünderen Ventilen suchen. Preibsch rät zu autogenem Training oder einer anderen Entspannungstechnik. Manchmal kann aber auch professionelle Hilfe nötig sein.
Wer am Tage knirscht, sollte sich fragen, in welchen Situationen er zubeißt. „Bei Tätigkeiten, die viel Konzentration oder körperliche Anstrengung erfordern, immer mal an die Zähne denken“, empfiehlt Oesterreich. Um sich regelmäßig an Kieferentspannung zu erinnern, helfe es zum Beispiel, einen gelben Zettel in eine Ecke ihres Rechners zu heften. Immer, wenn man mit der Maus darüber fährt, entspannt man einmal ganz bewusst den Kiefer. Preibsch rät zu einer Erinnerung im Handy oder am PC. Betroffene lassen sich einfach jede Stunde eine Nachricht schicken: Lass deinen Kiefer locker.

Zähneknirschen hinterlässt Spuren: Die Zähne werden kürzer, es gibt kein Fissurenrelief mehr, die oberste Schicht wird auf Dauer weggerieben. Helfen kann die    Knirscherschiene aus Kunststoff (unteres Foto). Sie soll den weiteren Abbau von Zahnsubstanz verhindern.

Fotos: dpa
Rhein Zeitung 22.06.2017


 

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